Zusammenfassung der Regelneuerungen 2019 nach dem Kampfrichter-Lehrgang

Viel haben sich die Regeln nicht verändert in diesem Jahr. Einige Neuinterpretationen gab es jedoch schon:

Wann ist eine Aktion Ne-Waza (Bodenkampf)

Dies ist wahrscheinlich die bedeutsamste Regelneuerung. So gilt jetzt eine Aktion als Bodenkampf, wenn eine dieser drei Bedingungen erfüllt ist:

  1. Der Bauch berührt die Matte
  2. Beide Knie und Ellenbogen berühren die Matte
  3. Es handelt sich um eine typische Bodensituation (z.B. Schere-Unterlage oder Umdreher)

Wichtig ist, dass es nach diesen Regeln möglich ist, dass nur einer der beiden Judoka im Boden ist. In diesem Fall gelten für den stehenden Judoka die Tachi-waza-Regeln (z.B. Verbot des Griff ans Bein) und für dein im Boden befindlichen Judoka die Ne-waza-Regeln.

Wenn Uke in Ne-Waza und Tori in Tachi-Waza ist, gelten folgende Regeln bezüglich bewertbarer Wurftechniken:

  • Uke darf nicht geworfen werden, es sei denn Uke kommt VON ALLEINE hoch (nicht hochziehen von Tori)
  • Tori muss in diesem Fall SOFORT angreifen oder die Technik ist nicht bewertbar.

Die Kingston-Rolle (und ähnliche Techniken) sind erlaubt, auch wenn dabei ans Bein gefasst wird, da es typische Bodentechniken sind. Es muss allerdings eine Wurfabsicht erkennbar sein, ansonsten gibt es Shido.

Landen auf einem/beiden Ellenbogen oder Händen nach einer Wurfaktion

Es wurde noch einmal betont, dass beim Landen auf Ellenbogen/Händen folgende Regeln wichtig für eine Bewertung sind:

  • Uke muss beide Hände, beide Ellenbogen oder eine Hand und einen Ellenbogen zu einem Zeitpunkt gleichzeitig auf der Matte haben, dann gibt es Waza-ari.
  • Dabei zählt nur aktives Abstützen, nicht ein Herunterziehen durch Tori.

Kontertechniken

Eine Kontertechnik ist ungültig (nicht bewertbar), wenn der Rücken oder die Seite zum Werfen benötigt werden. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, kann Tori auch vor Uke auf der Matte aufkommen.

Eine typische Kontertechnik (z.B. Tani-otoshi oder Ura-nage) zählt außerdem nur dann als Kontertechnik (und nur dann ist die eben genannte Bedingung notwendig), wenn Uke davor einen Wurf-Angriff versucht.

Überstrecken des Beines beim Würgen

Im letzten Jahr wurde das Überstrecken des Beines bei der Ausführung von so Techniken wie zum Beispiel der Kingston-Rolle verboten. (Shido) Dies hatte den Grund, dass dann das Überstrecken des Beines schmerzhafter ist als die Würge und daher nicht sauberes Judo zum Aufgeben des Gegners führt.

Jetzt wurde noch einmal genauer erläutert, was als Überstrecken des Beines zählt:

  • Uke ist nicht mehr in der Lage sein Bein zu beugen (am Knie) ohne gegen die Kraft von Tori zu arbeiten.
  • Die Grenze ist das Knie. Wenn Tori unterhalb des Knies anfässt: in Ordnung, wenn oberhalb: Shido

Osae-komi

Bei Osae-komi müssen zwei Punkte auf der Matte fixiert sein, damit die Festhalte zählt.

Das betrifft vor allem eine Technik, bei der man mit dem Handrücken in Ukes Rever fasst, Uke dann auf den Rücken nach hinten kippt und anschließend in einer knienden Position Uke fixiert. (Nur Schulter -> 1 Punkt)

Alle Beinklammern zählen als Toketa. Dass heißt auch Beinklammern von oben oder von der Seite. Vormals zählten nur Beinklammern von unten.

Nachdrücken im Wurf

Nachdrücken in einer Wurftechnik kann bewertet werden, wenn diese drei Kriterien erfüllt sind:

  • beide Hände bleiben am Partner
  • es wird weiterhin Kontrolle ausgeübt
  • es gibt keinen Richtungswechsel der Bewegung

Grifflösen

Das Grifflösen ist ebenfalls einseitig (und damit verboten), wenn eine Hand am Arm und die andere am Revers von Uke ist. Grifflösen ist nicht verboten, wenn die Arme über Kreuz gelöst werden.

Grifflösen ist nur dann verboten (und wird mit Shido) bestraft, wenn die Handlung erfolgreich abgeschlossen wurde. Aus taktischer Sicht ist es hier also sinnvoll, wenn Tori illegal den Griff zu lösen versucht, loszulassen, damit Tori eine Strafe bekommt.

Jugendregeln

Zur Definition der Jugendregeln werden die Altersklassen in drei Kategorien aufgeteilt:

  • U18 und höher. Die „Erwachsenen“, auf die keine Jugendregeln mehr Anwendung finden.
  • U15. Einige Jugendschutzregeln gelten, viele Schutzverbote von Techniken sind aber aufgehoben.
  • Unter U15 (U14, U13, U12, …). Es gelten alle Jugendschutzregeln.

Wichtig ist, dass sich die jeweilige Kategorie nicht nach dem Alter der Judoka sondern nach der ausgeschriebenen Altersklasse richtet.

Unter U15 und U15

Das Fassen über/auf den Rücken ist beidseitig nicht erlaubt (also rechts und links) und wird bestraft. Ein Cross-Grip ist also verboten, ein Soto-maki-komi-Griff ist aber erlaubt (Fassen über Arm nicht Schulter).

Unter U15

Sankaku ist verboten, beim Schließen der Beine wird Mate gegeben. Die Sankaku-Technik als Umdreher ist erlaubt.

Tani-Otoshi (und artverwandte Kontertechniken nach hinten) sind als Kontertechniken unzulässig und werden bestraft. Artverwandt ist dabe definiert als eine Kontertechnik mit Bauch-Rücken oder Bauch-Seiten-Kontakt. Ein Bauch-Bauch-Kontakt ist zulässig (z.B. Ko-Soto-Gake).

Die Idee hinter dieser Regelung ist es, den jungen Judoka die Angst zu nehmen, beim sauberen Eindrehen und Werfen nach vorne gekontert zu werden.

Formelles und Zeremionelles

In den letzten Jahren ging der Trend schon in Richtung die Kämpfer die Kleidung ohne Aufforderung ordnen zu lassen. Jetzt soll der Kampfrichter nur noch dann die Kleidung ordnen lassen, wenn es das Kampfgeschehen zu lässt (nicht direkt vor Golden Score) und die Jacke vollständig aus dem Gürtel gelöst ist.

Der Gürtel muss genau oberhalb des Hüftknochens sitzen. Der Kampfrichter wird den Judoka vor dem Kampf darauf hinweisen. Der Gürtel wird am Rand der Mattenfläche (nicht der Kampffläche) neu gebunden.

Nach drei erfolglosen Versuchen soll Hansoku-Make ausgesprochen werden (wegen Nichtfolgeleisten der Aufforderung des KaRi).

Leggings oder lange Hosen sind nicht erlaubt und sollen vor dem Kampf gewechselt werden lassen, wenn sie sichtbar sind.

Es wurde noch einmal erläutert, dass ein bloßes Nicken mit dem Kopf nicht als Verbeugung zählt. Der Kampfrichter wird dann den Judoka nicht kämpfen lassen und durch das Kommando Rei auffordern sich erneut und ordentlich zu verbeugen

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